Mittelspannungsanlagen fallen selten aus. Wenn sie es tun, steht der Betrieb — und die Ersatzteilbeschaffung dauert nicht Tage, sondern Wochen.
Die Zustandsbewertung setzt deshalb vor dem Ausfall an: an Betriebsmitteln, deren Alter, Belastung und Wartungshistorie ein absehbares Ende erkennen lassen.
Was betrachtet wird
- Zustand von Schaltanlagen, Leistungsschaltern und Sicherungseinrichtungen
- Transformatoren: Zustand, Belastung, Aufstellbedingungen
- Übergabestationen und Schnittstelle zum Netzbetreiber
- Erdungs- und Blitzschutzanlage im Zusammenhang
- Schutzkonzept und Selektivität auf Plausibilität
- Wartungshistorie und Dokumentationslage
Ersatzteillage und Restnutzungsdauer
Bei Anlagen jenseits der dreißig Jahre ist nicht der Zustand das Hauptrisiko, sondern die Verfügbarkeit von Ersatzteilen. Eine funktionierende Anlage, für die es kein Schaltgerät mehr gibt, ist ein Investitionsthema — kein Wartungsthema.
Diese Einschätzung gehört in die Bewertung, weil sie über den Zeitpunkt der Erneuerung entscheidet.
Zur Qualifikation
Für Arbeiten und Bewertungen an Mittelspannungsanlagen liegt eine Schaltberechtigung Mittelspannung vor. Die öffentliche Bestellung durch die Handwerkskammer Lübeck bezieht sich auf das Elektrotechniker-Handwerk; die Mittelspannungstechnik ist ein darüber hinausgehendes Fachgebiet aus Fortbildung und Praxis.